Sie möchten also auf Wi-Fi 6 aufrüsten?

27. Februar 2020 / Allgemein

Im ersten Teil dieses zweiteiligen Blogbeitrags besprechen wir die neuen Wi-Fi 6-Standards und die damit verbundenen Leistungssteigerungen.  Im nachfolgenden Beitrag wird erläutert, wie Sie dafür sorgen, dass Ihre Verkabelungsanlage dafür gerüstet ist.

Im September 2019 führte die Wi-Fi Alliance das Zertifizierungsprogramm Wi-Fi CERTIFIED 6 für Wi-Fi-Geräte ein, und zwar auf Grundlage der geplanten IEEE 802.11Ax-Verbesserungen im Hinblick auf den WLAN-Standard „High Efficiency Wireless“ (HEW), der Mitte dieses Jahres ratifiziert werden soll. Wie es auch bereits bei früheren Generationen des Wi-Fi-Standards der Fall war, sind entsprechende Geräte schon weit vor Einführung des Standards auf dem Markt erhältlich und etablieren sich schnell.

Netgear, Arris und Asus führten vor Kurzem Wi-Fi 6 Access Points ein, und sogar Comcast hat eine Wi-Fi 6-Version seines Gateways für den privaten Gebrauch angekündigt. Die neuesten Smartphones der Modelle iPhone 11 und Galaxy S10 bieten Unterstützung für Wi-Fi 6, und Lenova, HP und Dell haben die Einführung von Notebooks mit integriertem Wi-Fi 6 bekanntgegeben. Und das ist noch nicht alles: Mit der Einführung von Wi-Fi 6E, also der Freigabe aller Wi-Fi 6-Funktionen, wird sich die Nutzererfahrung mit Drahtlosnetzwerken deutlich verbessern.

Da Wi-Fi 6 jetzt verfügbar ist, ziehen viele Unternehmen in Betracht, auf diesen Standard aufzurüsten. Sehen wir uns also genauer an, was Wi-Fi 6 bietet und wie die Aufrüstung vor sich geht.

Es wird immer besser

Wi-Fi 5 (802.11ac) bot endlich Wireless-Geschwindigkeiten von über 1 Gbit/s – der wichtigste Faktor dafür, dass das IEEE 2.5GBASE-T und 5GBASE-T einführte, damit die installierten Standards „Kategorie 5e“ und „Kategorie 6“ theoretisch auch Unterstützung bieten. Aber da praktisch jeder das WLAN nutzt, waren diese Geschwindigkeiten einfach nicht hoch genug. Das neue Wi-Fi 6 bietet nun Übertragungsraten von 10 Gig durch Einsatz von acht räumlichen Datenströmen mit jeweils 1,2 Gb/s, im Vergleich zu Wi-Fi 5 mit nur 866 Mb/s pro Datenstrom.

Wi-Fi 6 kann auch im 2,4-GHz- und im 5-GHz-Band betrieben werden. Bei Wi-Fi 5 ist nur das 5-GHz-Band möglich. Das 5-GHz-Band wird nach wie vor hauptsächlich im Hinblick auf weniger Störungen und schnellere Datenraten verwendet (je höher die Frequenz, desto mehr Funkwellen), aber mit 2,4 GHz können Festkörper besser durchdrungen und größere Entfernungen abgedeckt werden (mehr als dreimal so weit wie mit 5 GHz). Außerdem gibt es heute selbst im 2,4-GHz-Band weniger Störungen, da viele der Geräte, die dieses Band verwenden, nicht mehr eingesetzt werden (z. B. schnurlose Telefone). Wi-Fi 6 bietet die Möglichkeit, beide Frequenzen gleichzeitig zu nutzen, sodass die zu übertragende Datenmenge erhöht werden kann.

Da immer mehr Geräte Wi-Fi nutzen, sieht es so aus, also ob es auch bei Wi-Fi 6 Engpässe geben wird. Die Lösung hierfür ist Wi-Fi 6E, das auch im 6-GHz-Band betrieben werden kann. Mit Wi-Fi 6E lässt sich die Kapazität von Wi-Fi 6 erweitern, indem bis zu 14 zusätzliche, nicht überlappende 80-MHz- und 7 zusätzliche nicht überlappende 160-MHz-Kanäle im 6-GHz-Band genutzt werden können. Wi-Fi 6E ist hauptsächlich für Applikationen wie HD-Video-Streaming und Virtual Reality gedacht und sorgt bei noch mehr Benutzern für weniger Engpässe. Außerdem sind keine älteren Wi-Fi 5-Geräte im Weg, die das 5-GHz-Band verwenden. Anders ausgedrückt, nutzen nur Geräte mit Unterstützung für Wi-Fi 6E das 6-GHz-Spektrum.

Wann Wi-Fi 6E eingeführt wird, steht noch in den Sternen, da zur Verwendung des 6-GHz-Spektrums eine Genehmigung durch die US Federal Communications Commission erforderlich ist. Die läuft zwar angeblich, doch wir wissen ja alle, wie „schnell“ behördliche Genehmigungen erteilt werden. Erwartungsgemäß werden Geräte mit Wi-Fi 6E dann aber sofort nach Erteilung der Genehmigung auf den Markt kommen.