Jede Regel hat eine Ausnahme

28. November 2018 / Allgemein

Jede Regel hat eine Ausnahme

Beim Fußball wird ein Foul mit mindestens einem Freistoß geahndet. Aber Sie beobachten, wie ein Foul an einem Spieler scheinbar ignoriert wird.

Sie denken sich dann vielleicht: „Hey, das ist gegen alle Regeln.“ Aber in diesem Fall war der Spieler im Ballbesitz. Und wenn es offensichtlich ist, dass er im Ballbesitz bleibt, kann der Schiedsrichter das Foul ungeahndet lassen und „Vorteil“ gewähren. Aber verliert der Spieler unmittelbar danach doch den Ballbesitz, kann der Schiedsrichter doch noch auf Freistoß entscheiden. Das ist dann die Ausnahme zur Regel. 

Wie beim Fußball gibt es auch bei der Installation von Kabelanlagen Ausnahmen zu den „Regeln“. Nehmen wir einmal die 100-m-Begrenzung für horizontale Kupferkabelkanäle mit einem 90-m-Permanent Link, spezifiziert innerhalb Branchenstandards. Während Sie meinen können, dass dies die Regel ist, gibt es Fälle, wo dies nicht mehr zutrifft. Sehen wir uns einmal ein paar dieser Fälle an.

 

Jetzt wird's warm.

Die 100-m-Längenregel für Kanäle bezieht sich auf Installationen, wo die Umgebungstemperatur 20 °C ist. Wärme kann die elektrischen Eigenschaften eines Kabels beeinträchtigen. DC-Widerstand und Einfügedämpfung sind zwei Parameter, die bedeutend von Wärme beeinflusst werden – mit jedem Temperaturanstieg von 10 °C kann die Einfügedämpfung in UTP-Kabel bei Temperaturen zwischen 20 und 40 °C um 4 % und um bis zu 6 % bei Temperaturen zwischen 40 und 60 °C steigen.

So for cables installed at a temperature higher than 20°C, ANSI/TIA-568.2-D recommends that the length of the channel be reduced – referred to as de-rating. So wie die „Vorteil“-Regel die Leistung des Spiels bewahrt und ein Unterbrechen eines Angriffs verhindern soll, soll die Minderung dem Kabel ermöglichen, seine Leistungsfähigkeit zu bewahren.

Es ist nicht allein die Umgebungstemperatur, die erfordert, dass die Länge des Kabelkanals verringert wird. Die Bereitstellung von PoE verursacht einen Temperaturanstieg innerhalb des Kabels aufgrund des durch das Kabel fließenden Stroms. Und beim Wechsel zu höheren Stromstärken mit den neuesten Typ 3- und Typ 4-PoE mit jeweils 60 und 90 W, die alle vier Paare aktivieren, wird immer mehr Wärme erzeugt. Studien haben nachgewiesen, dass eine Steigerung um 50 % des Quellstroms zu einem 125 %igen Wärmeanstieg in einem Kabel führt. In Bundle von Kabeln kann die Wärme nicht leicht abgeleitet werden. Daher hat TIA Minderungsprofile für Temperaturanstieg gegenüber angelegtem Strom pro Paar für Kategoriekabel in 100-Kabel-Bundles festgelegt.

Während sich nicht viel gegen eine Schiedsrichterentscheidung machen lässt, gibt es Möglichkeiten, die Wärme zu schlagen und die 100-m-Kanallänge beizubehalten. Sie können Ihre Bundle-Größe gemäß den Empfehlungen in TIA-568.2-D verringern oder Bundle insgesamt eliminieren. Abgeschirmte Kabel können auch Wärme besser ableiten – bei 60 °C installierte Kategorie 6A UTP-Kanäle müssen um etwa 18 Meter reduziert werden, während Kategorie 6A F/UTP nur eine Reduktion um etwa 7 m erfordert. Eine weitere Option ist, Kabel zu installieren, die für eine höhere Betriebstemperatur (gewöhnlich 75 oder 90 °C) ausgelegt sind, oder Kabel, die die Bewertung UL LP tragen. 

Die Größe messen

Die Leitergröße kann auch zu einer Ausnahme zur 100-m-Kanalregel führen. Während Leiter mit größerem Querschnitt mit Wärme besser umgehen und die Minderung in wärmeren Umgebungstemperaturen und PoE-Bereitstellungen verringern helfen können, sind Kabel mit kleinerem Leiterquerschnitt für Patchkabel beliebt geworden. Der kleinere Leiterquerschnitt ermöglicht einen insgesamt kleineren Kabeldurchmesser, durch den der Luftfluss um aktive Geräte verbessert und Kabelmanagement in Patchbereichen mit hoher Belegung aufgrund verringerter Dichte und eines kleineren Biegeradius erleichtert wird.

TIA-Kabelstandards haben sich lange auf Twisted Pair-Kabel bezogen, die aus 22-AWG- bis 26-AWG-Kabeln bestehen, aber der neueste 568-2.D-Standard lässt jetzt auch Patchkabel mit 28 AWG zu – jedoch nicht ohne eine weitere Ausnahme zur 100-m-Regel. Der Grund dafür ist, dass zusätzlich zu Wärme auch DC-Widerstand und Einfügedämpfung vom Leitertuchschnitt beeinflusst werden – kleinere Leiter zeigen höheren DC-Widerstand und höhere Einfügedämpfung.

Um innerhalb der Kanal-DC-Schleifenwiderstandsgrenze von 25 Ω bleiben zu können, empfiehlt der neue Standard TIA 568.2-D, die Länge von 28-AWG-Patchkabeln in einem Kanal auf unter 15 m zu halten. Lieferanten von 28-AWG-Patchkabeln geben einen Minderungsfaktor an. Mit 15 m 28-AWG-Patchkabeln wird die maximale Kanallänge gewöhnlich auf etwa 88 m verringert, je nach Minderungsfaktor. Das ist jedoch normalerweise kein Problem, da 28-AWG-Patchkabel vorrangig in dicht belegten Patchbereichen in Rechenzentren installiert werden, wo die Kanallängen sowieso generell weit unter 100 m liegen.

Es geht nur um die Testergebnisse

Ob Sie eine Installation in heißeren Umgebungen (wie z. B. ein Dachboden in Arizona) planen, höhere Leistungen an PoE in Bundles erbringen wollen oder den Einsatz von Patchkabeln mit kleineren Leiterquerschnitten wünschen, es liegt alles an Ihren Testergebnissen – die Prüfungen von Einfügedämpfung und DC-Widerstand müssen bestanden werden. Wenn das nicht der Fall ist, sind Sie u. U. einfach einmal gezwungen, eine Ausnahme zu der 100-m-Regel zu akzeptieren. Im Gegensatz zu der „Vorteil“-Regel, die zu 100 % auf dem Urteil des Schiedsrichters beruht, können bei den Verkabelungsstandards die meisten Bedingungen glücklicherweise gemessen werden, und Testergebnisse lügen nicht.

Ein Denkanstoß: Wenn es wahr ist, dass es für jede Regel eine Ausnahme gibt, bedeutet das nicht, dass diese Regel auch eine Ausnahme hat und damit die Regel selbst als falsch enthüllt? Vielleicht gibt es gar keine Ausnahmen für Regeln – vielleicht ist es nur so, dass Regeln auf bestimmten Bedingungen gründen, und wenn diese Bedingungen sich ändern, dann ändert sich auch die Regel.