CPR-Beanstandung für Kabelbauprodukt | Fluke Networks

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CPR: Eine gar nicht so lächerliche Verordnung

Mark Mullins

Niemand bezweifelt, dass die EU eine Vielzahl von Regeln und Vorschriften hat – was auch immer wieder von den Befürwortern des Brexits in Großbritannien betont wurde. Und es werden auch viele Witze gemacht über die lächerlichen Verordnungen, wie das Gesetz, das den Verzehr von als Haustieren gehaltenen Pferden verbietet, oder jenes, das es den Herstellern von in Flaschen abgefüllten Trinkwasser untersagt, zu behaupten, dass die Einnahme vor Austrocknen schützen könnte. (Als würde Wasser nicht sowieso vor Austrocknen schützen!)

Bauprodukteverordnung – CPR für Netzwerkverkabelung

Glücklicherweise wurden manche der unsinnigsten EU-Vorschriften widerrufen, so z. B. die 1995 Verordnung gegen den Verkauf von Bananen und Gurken mit einer extremen oder unschönen Krümmung. Aber es sind immer noch viele EU-Verordnungen vorhanden, die unsere Kabelindustrie betreffen (siehe RoHS, REACH und WEEE) und eine davon wurde effektiv für Hersteller von Kabeln im Juli 2017: CPR.

Während man auf der amerikanischen Seite des Atlantiks bei CPR an eine bestimmte lebensrettende Maßnahme denkt (CPR = HLW, Herz-Lungen-Wiederbelebung), können CPR-konforme Kabel auch Leben retten. Und das ist nun gar nicht lächerlich. Werfen wir einen genaueren Blick darauf.

Was ist CPR?

CPR, eine Abkürzung für Bauprodukteverordnung, soll sicherstellen, dass zuverlässige Informationen über Bauprodukte bezüglich ihrer Reaktion auf und Widerstandsfähigkeit gegen Feuer sowie die Abgabe von gefährlichen Substanzen während des alltäglichen Betriebs, beim Abbau und beim Recycling bereitstehen. Die Verordnung stellt dies bereit unter Verwendung von „allgemeiner technischer Formulierung“, basierend auf uniformen Bewertungsmethoden. Die dabei verwendeten Formulierungen müssen von den Herstellern zur Beschreibung der Leistung ihrer Kabel, von den EU-Mitgliedstaaten bei der Vorgabe von Anforderungen und von Benutzern (d. h. Planern und Installateuren) bei der Spezifikation von Produkten für Bauprojekte verwendet werden.

CPR-Verordnungen erstrecken sich auf jedes Bauprojekt, dass permanent in eine Anlage einbezogen werden soll, einschließlich Kabeln, die Kommunikationszwecken dienen und nicht ausdrücklich als zeitweilig ausgewiesen werden. Das heißt also, dass CPR in unserer Branche für so ziemlich jede Kabelinfrastruktur-Installation gilt, mit Ausnahme der nicht fest installierten Teile wie Patchkabel und Jumper.

Im Sinne der CPR müssen alle im EU-Markt vertriebenen Kupfer- und Glasfaserkabel konform und mit der CE-Markierung versehen sein. Für jedes CPR-Produkt ist auch eine Declaration of Performance (DoP = Leistungserklärung) seitens des Herstellers erforderlich, durch die das Produkt, dessen Verwendungszweck und Euroklassen-Eigenschaften kenntlich gemacht werden.

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Was sind Euroklassen?

Unter CPR fallen sieben verschiedene Euroklassen, die die bisherigen IEC 60332-Entflammbarkeitsklassen ersetzen. Wie der Standard EN50575 für Brandschutzauflagen für Strom-, Steuer- und Kommunikationskabel darlegt, sind die Euroklassen A, B1, B2, C, D, E und F, wobei A die flammwidrigste und F die am wenigsten flammwidrige Klasse ist.

Jeder EU-Mitgliedstaat legt seine eigenen Euroklassen für seine spezifischen Bauvorschriften fest – normalerweise in Abhängigkeit von Gebäudetyp oder Raum. So fordern z. B. mehrere Länder Euroklasse C für Hochhäuser und B1 oder B2 für Notausgänge oder Gebäude mit schwieriger Evakuation. Allgemein gesagt, bestehen höhere Anforderungen (gewöhnlich Euroklasse C oder D) für Krankenhäuser, Schulen und die meisten öffentlichen Gebäude als die bisherige Norm verlangte (Euroklasse E, was IEC 02. Januar 6033 entspricht).

Was wird sich für meine Kabel ändern?

Bezüglich des Aufbaus des Kabels finden sich jegliche Änderungen zum Zweck der Einhaltung einer bestimmten Euroklasse in den Ummantelungs- und Isolierungsmaterialien. Diese Änderungen beziehen sich auf Flammenausbreitung, Rauchentwicklung, brennendes Abtropfen und Azidität.

Leichter zu erkennende Änderungen sind Teilnummern, Kabelaufdrucke, Farben und Kartonetikettierung, da viele Hersteller jetzt zwischen CPR- und nicht-CPR-Kabeln unterscheiden müssen. Zum Zugang zu den erforderlichen DoP-Zertifikaten für Kabel fügen manche Hersteller ihren Verpackungen QR-Codes hinzu. Wenn diese gescannt werden, wird eine Verbindung zum kompletten DoP aufgebaut. Andere haben u. U. eine Suchfunktion auf ihrer Webseite zur Suche nach DoP nach Teilnummer.

Das Gute ist, dass bezüglich Übertragungsleistung kein Unterschied zwischen CPR- und nicht-CPR-Kabeln besteht. Die CE-Markierung stellt sicher, dass das Produkte einen gewissen Brandschutz-Standard erfüllt, nicht einen Qualitäts- oder Übertragungsleistungsstandard. Das heißt, dass ein Kategorie 6A/Class EA CPR-Kabel die gleiche Leistung wie ein Kategorie 6A/Class EA Kabel und ein OM4 CPR-Multimode-Glasfaserkabel die gleiche Leistung wie ein OM4 Multimode-Glasfaserkabel erbringt. Und das bedeutet auch, dass das Konformitätstesten auf TIA- und ISO/IEC-Leistungsparameter ebenfalls unverändert bleibt.

Während also so mancher die EU als ein bisschen zu „verordnungsfreudig“ hält, sollte man bedenken, dass CPR zu Euroklassen geführt hat, die gemeinsam sind für alle Bauprodukte in ganz Europa, was alle Verwirrung eliminiert und für gemeinsames Verständnis unter allen europäischen Entscheidungsträgern und Stakeholdern sorgt. Und das trägt zum Großteil mit dazu bei, im Brandfall die Sicherheit der Menschen zu wahren und Eigentum zu schützen – und das ist etwas, was wirklich nicht als so lächerlich betrachtet werden kann, wie das Verbot, das eigene Pferd zu essen.


 
 
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